Die Entwicklung der Aschaffenburger Industrie in den 1920er Jahren ließ immer mehr die Forderung nach der Einrichtung von Arbeiter-Buslinien laut werden. Der Gemeinderat beriet am 11. Dezember 1925 das gemeinsame Anliegen von Post und Gemeinde. Es wurde notariell vereinbart, dass die Gemeinde ein Gelände für die Postautohalle an der Würzburger Straße zur Verfügung stelle und die für den Bau erforderlichen Steine. Im Februar 1926 wurde schließlich eine Kraftpostlinie für die Haibacher eingeführt.
Nach der Pferde-Postlinie im 19. Jahrhundert gab es zwar schon seit 1910 eine Motorpostlinie bis nach Rohrbrunn, die aber für die Verbindung in die Stadt für die Arbeiter keine Bedeutung hatte. Sie mussten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu ihrer Arbeitsstelle und wieder heim kommen. 

Der Heimatdichter August Albert schreibt über die Vorteile des Omnibusses:

„Abends kimmt mä aus em Fabrikhof raus, do stäit a scho des Auto draus,
mä flacke uns uff die gepolsterte Sitz, do gäits hamwärts wie de Blitz.
Un es eß fast wie em Traam, en am viertel Stündche son mä deham.
Mä kenne jetzt noch sou verschiedene Sache, zu Beispiel, kenne mä Holz kla mache.
Die Fraa braucht sich nimmer sou abzurackern, mä kenne a noch e Äckerje zackern,
mä kenne a noch e Wiesje mehe, oder noch e Äckerje sehe.“

 Die nunmehr gute Verkehrsverbindung in die Stadt wurde nicht von allen begrüßt. Sie war vor allem den Fahrradhändlern ein Dorn im Auge und sie animierten die Radfahrer, die Fahrt der Postomnibusse zu behindern und die 1926 erlassene Straßenverkehrsordnung zu missachten. So beschwerten sich Busfahrer über „Reihen von 4 bis 5 Radfahrern und 10 bis 15 Mann“, die den Verkehr behinderten. Auch die Schuster waren nicht erfreut (laut August Albert):
„Blous die Schuster mache lange Gesichter:
Des Auto soll de Kukuk hole, jetzt hon mä nimmer so viel Schuh zum Besoule.“

 Und auch der gemeinsame Heimweg wurde von manchen jungen Leuten vermisst:
„Auch die Mädchen son nie sou recht entzückt, weil sie nimmer so lang son beglückt.
Früher hon se e Stun lang mit ihrm Boscht plaudern kenne, jetzt kaum e viertel Stündche un se misse sich trenne“.

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