Die Orte unserer Heimat haben seit jeher Necknamen. Das sind keine Eigenerfindungen, sondern wurden einem von Nachbarn „angehängt“. Früher wurden sie benutzt, um die Bewohner zu charakterisieren oder gar zu verspotten. Es ist Brauchtumspflege, wenn diese Ausdrücke in der Zukunft erhalten bleiben. Die Orte brauchen bei aller Weltoffenheit eine Identität, die den Zusammenhalt stärkt.
Unser Krockebaum steht für regionale Identität.  Durch den Hinweis auf die Geschichte des Ortes schafft er eine Verbindung zu den heutigen Generationen.
Die Grünmorsbacher tragen mit Stolz ihren Orts-Necknamen „Krocke“. Der Heimat- und Geschichtsverein hat ihnen jetzt aus Cortenstahl ein sichtbares Symbol dieses Necknamens aufgestellt. Mit Unterstützung aus dem Regionalbudget der WESPE-Gemeinden wurde die Skulptur von einer Metallbaufirma aus Weibersbrunn umgesetzt. Mit liebevoll verklärtem Blick auf die tatsächliche Entstehung des Necknamens Krocke (Krähe), hat Helma Fleckenstein die Entstehung erklärt: „Die Krocke steht für Anpassungsfähigkeit und Veränderung. Sie ist bekannt für Intelligenz, Neugier, Klugheit und die Fähigkeit, mit Werkzeugen umzugehen.“ Zudem seien sie bekannt dafür, ihre Probleme auf ihre eigene Art zu lösen. Somit seien die Krocke die richtigen Vögel für die Merschbicher.
Neben den Krähen auf einem Baum steht ein Wagenrad mit gebrochenen Speichen. Dieses weist – wohl nicht ganz historisch getreu –  auf die überlieferte Neugründng des Ortes nach dem Dreißigjährigen Krieg hin. Bei der Durchfahrt einer Sippe „fahrenden Volkes“ soll an einem Wagen ein Rad gebrochen sein. Die betroffene Familie wurde hier in Grünmorsbach sesshaft und hat den „Weiler Morsbach“ neu gegründet.
(Erste urkundliche Erwähnung war am 31.8.1200)
Deshalb nennen sich die „Original „Merschbicher“ auch liebevoll „Zicheuner“ * . So ist der Haibacher Ortsteil gleich mit zwei Necknamen bedacht.

Andere Ortsnecknamen in der Nachbarschaft:

  • Haibach: Wellekipper
  • Oberbessenbach: Viereckische
  • Straßbessenbach: Streeßer Krumbärnbleeser
  • Keilberg: Hawwernstrübber
  • Waldaschaff: Herrgottsdieben
  • Hain: Hoer Krocke
  • Sailauf: Wasserköpp

* Der Zenralrat der Sinti und Roma hat auf unsere Anfrage zur Verwendung des Begriffes „Zicheuner“ folgenden Brief geschrieben:

 Sehr geehrte Damen und Herren,
wir danken Ihnen für Ihr Schreiben und die Offenheit, mit der Sie sich an uns wenden. Die darin geäußerten Gedanken und Fragen nehmen wir sehr ernst, insbesondere weil sie ein Spannungsfeld berühren, das viele lokale Identitäten betrifft: die Auseinandersetzung mit historischen Begriffen, die heute als diskriminierend erkannt werden, aber in regionaler Tradition positiv wahrgenommen wurden. 
Der Begriff ,,Zigeuner” ist eine Fremdbezeichnung, die über Jahrhunderte hinweg mit Klischees, Stigmatisierung und massiver Ausgrenzung der Sinti und Roma in Europa verknüpft war. Er wurde von der Mehrheitsgesellschaft geprägt und diente vielfach der Herabwürdigung, Entmenschlichung und nicht zuletzt der ideologischen Vorbereitung und Rechtfertigung von Verfolgung, Entrechtung und Ermordung von 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa.
Auch wenn der Begriff in bestimmten lokalen Kontexten wie in Grünmorsbach nicht als negativ empfunden wird, ändert das nichts an seiner objektiven Geschichte und Wirkung. Wörter tragen nicht nur eine lokale, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung — und gerade öffentlich sichtbare Darstellungen können bestehende Diskriminierung ungewollt weitertragen oder verharmlosen.
Wir verstehen, dass es in Grünmorsbach eine lang gewachsene Legende gibt, die von einem identitätsstiftenden Bezug zur Figur des ,,Zigeuners” erzählt. Es ist keineswegs unsere Intention, lokale Legenden oder Bräuche pauschal zu verurteilen. Uns ist bewusst, dass solche Selbstzuschreibungen nicht zwangsläufig mit einem Bewusstsein für rassistische oder ausgrenzende Bedeutungsebenen einhergehen. Gerade deshalb schlagen wir einen differenzierten Weg vor: Kontextualisierung statt Auslöschung. Anstatt die Begriffe oder Darstellungen vollständig zu tilgen, regen wir eine historisch reflektierte Darstellung an, die folgende Elemente umfassen sollte: 

1) Hinweisschilder oder lnformationstafeln, die die lokale Legende erklären, zugleich aber die kritische Einordnung des Begriffs ,,Zigeuner” durch den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bzw. andere wissenschaftliche Quellen enthalten.

2) Eine Einordnung der Legende in den historischen Zusammenhang des antiziganistischen Fremdbildes — einschließlich der Information, dass es sich hierbei nicht um eine echte genealogische Herkunft, sondern um eine Erzähltradition handelt.

3) Ein Hinweis, dass der Begriff heute von den meisten Angehörigen der Minderheit abgelehnt wird, da er mit Stereotypen, Ausgrenzung und Gewalt verbunden ist — und daher in offiziellen oder musealen Kontexten nicht unkommentiert übernommen werden sollte.

4) Dialogangebote vor Ort, z. B. durch Veranstaltungen oder Ausstellungen zur Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma in Deutschland. Der Zentralrat und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma bietet eine Reihe von transportablen Ausstellungen an, die den NS-Völkermord an Sinti und Roma, die Geschichte der Bürgerrechtsarbeit und die Rolle von Sinti und Roma als anerkannte nationale Minderheit in Deutschland naher beleuchten.

Der Wunsch, die eigene Geschichte und ldentität zu bewahren, ist legitim. Ebenso legitim ist das Anliegen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Antiziganismus als spezifische Form der Menschenfeindlichkeit zu bekämpfen und Diskriminierung entgegenzuwirken. Diese Ziele schließen sich nicht aus — sie bedürfen aber eines sensiblen Umgangs mit Sprache, Geschichte und öffentlicher Wirkung.

Wir stehen lhnen für weitere Gespräche und fachliche Beratung gerne jederzeit zur Verfügung.

 Mit freundlichen Grüßen
David Pfeffer

 

 

 

 

 

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