Burgkindergarten

Besondere Gebäude

Seit 1930 hat Haibach einen Kindergarten, der als „Antoniusheim“ gebaut wurde. Die Einweihung war am 30. November. Gebaut wurde das Haus vom St. Johannes-Zweig-Verein, geführt wurden die Kinder bis 1997 von Klosterschwestern vom Orden der Schwestern des Erlösers aus Würzburg.
Weil vorher „die Kinder unbewacht eingesperrt oder anderen Leuten übergeben“ wurden, hatte sich der Verein seit seiner Gründung im Jahr 1901 als Aufgabe gesetzt, eine Kinderbewahranstalt einzurichten. „Wirtschaftlicher Druck trieb die Mütter in die Fabriken, in Handwerksbetriebe oder in fremde Haushalte. Nur die Ganztages-Unterbringung in einem Kindergarten kann den Frauen die Sorge um die Betreuung ihrer Kinder nehmen“, war die Begründung. Pfarrer Schweinfest wurde beauftragt, die alte Kapelle nördlich der Kirche in der Schollstraße für eine Kinderbewahranstalt vorzusehen und entsprechende Umbauskizzen und Kostenvoranschläge einzuholen. Doch dieser Plan konnte nicht in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Die Haibacher mussten noch 30 Jahre auf ihre Kinderschule warten. 1927 beschloss der Gemeinderat, den Bau einer „Kinderbewahrungsanstalt“ zu unterstützen. Die Vereinsführung unter Pfarrer Anton Münch und die Gemeinde mit 2. Bürgermeister Nikolaus Nebel setzten sich tatkräftig für den Bau ein. Teilweise mit privaten Bürgschaften abgesichert, begann man den Bau 1928, am 30. November 1930 war die Einweihung.

Von Anfang an wurde die Kinderschule von Geldnöten begleitet. 1931 wurden Erlöse aus den Theatervorführungen der Schulschwestern für die „Bedürfnisse der Kinderbewahranstalt“ verwendet. 1936 begann – tatkräftig unterstützt von Kinderschwester Jovita – eine neue Tradition in Haibach, die viele Jahrzehnte lang zu schönen Gemeinschaftsveranstaltungen führte: Die Burgfeste. Um die Beiträge zu sichern, rief der Vorstand 1938 die Eltern dazu auf, ihre Kinder das ganze Jahr in die Kinderschule zu schicken, „auch wenn sie schon etwas älter sind und nicht nur, wenn die Schwestern die meiste Arbeit mit ihnen haben.“

 1938 zogen die Schwestern vom Schwesternhaus neben der Mädchenschule in das Haus auf der Burg um. Eine Koch- und Handarbeitsschule wurde angeboten und bis 1962 geführt. Die Krankenschwestern blieben noch bis 1939 im Dorf wohnen und richteten eine Krankenstation ein.

 1943 konnte sich der Kindergarten über mangelnden Besuch nicht beklagen, 100 Kinder waren angemeldet. Dabei stand nur ein Saal zur Verfügung und nur eine Kinderschulschwester mit ungelernten „Mädchen“ als Helferinnen war für die Kinder da.

Am 26. November 1944 wurde nach Beschädigung des städtischen Krankenhauses die Kinderschule beschlagnahmt, Stabsarzt Dr. Lange übernahm hier „die Abteilung für interne Krankheitsfälle“. Die Kinderschule wurde in einem Wirtszimmer der „Krone“ von Benedikt Hock abgehalten, hauptsächlich für Kinder, deren Väter im Kriegseinsatz waren.

Nach dem Krieg konnte eine Beschlagnahme durch die Amerikaner abgewendet werden, so dass die Kinder am 14. Mai 1945 wieder zurück in ihre Kinderschule konnten. 1956 errechnete der damalige Kassier Andreas Fuchs, dass die Beiträge der Eltern die Ausgaben nicht deckten. Die Vorstandschaft besann sich wieder auf eine gute Einnahmequelle: Das Burgfest wurde erstmals nach dem Krieg wieder gefeiert. Zu Anfang der sechziger Jahre waren über 100 Kinder in Haibach zu betreuen und die Räumlichkeiten reichten bei weitem nicht mehr aus, ein Anschluss an den Altbau mit einem dritten Gruppenraum wurde errichtet.

1970 wurde das Haus um eine Gruppe erweitert, doch auch dieser Platz war bald zu wenig und so wurde 1972 der Marienkindergarten gebaut.

Der Burgkindergarten wurde 1987 den Erfordernissen des Kindergartengesetzes angepasst, jeder der drei Gruppen erhielt einen Intensivraum und ein Turnsaal wurde angebaut. 1990 verbesserte sich die pädagogische Betreuung in den Gruppen: War bisher nur eine Erzieherin je Gruppe und eine Kinderpflegerin für zwei Gruppen bezuschusst worden, konnte jetzt in jeder Gruppe ein Zweitkraft eingesetzt werden. Im Jahr 1996 kam dagegen die Empfehlung, keine Vorpraktikanten mehr einstellen, da der Arbeitsmarkt mit Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen „überfüllt“ sei und die jungen Frauen nur auf eine drohende Arbeitslosigkeit ausgebildet würden. Die Vorstandschaft beschloss jedoch, Haibacher Mädchen weiterhin die Gelegenheit zu geben, eine Berufsausbildung zu beginnen. Möglich war dies nur, weil der Kindergartenbeirat sich mit der Hälfte der Kosten an der Finanzierung beteiligte.

1997 war das Jahr des Abschieds. Von Anfang an hatten Erlöserschwestern den Burgkindergarten geführt. Schwester Friedeburg war die letzte „Haibacher“ Schwester.  Am 5. August wurde sie ins Kloster nach Würzburg zurückversetzt. Die Schwesternwohnung wurde renoviert und der Lebenshilfe Schmerlenbach für eine Wohngruppe für betreutes Wohnen zur Verfügung gestellt.

Heute sind im Haus drei Kindergartengruppen und 2 Krippengruppen für Kinder ab 12 Monaten.

 

Der alte Burgkindergarten                                                                                                          Ein Bunker unter dem Spielplatz brachte Sicherheit im Krieg

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