Die Linde am Standbild des Heiligen Nepomuk begleitet den Ortspatron (im Jahr 2021) schon seit 238 Jahren.
Nach dem Text in der Haibacher Chronik „Haibach im Wandel der Zeit“ auf Seite 186ff war der erste Standort der überlebensgroßen Sandsteinfigur „extra vicum“ (außerhalb des Ortes) neben der alten Poststraße, wahrscheinlich an der Stelle des heutigen Rathauses. Ein Hans Conrath schreibt 1736 für 1735 an die Gemeinde eine Rechnung in Höhe von 1fl 2xr für „Verzehr als der Heilige aufgerichtet wurde“. Albin Blatt vom Heimat- und Geschichtsverein widerspricht im Buch „Haibacher Straßen“ auf Seite 662 dieser Aussage. Der Eintrag auf der Grünfläche am Platz des heutigen Rathauses im Urkataster von 1843 sei kein Denkmal, sondern das Ortsschild. Blatt vermutet, dass das Standbild schon gleich weiter außerhalb des Dorfes, in der Nähe des heutigen Standortes aufgestellt wurde. (Als „Brückenheiliger“ in die Nähe einer Brücke an den Bornäckern?)

 Nachdem die Alte Poststraße (heutige Büchelberg- und Hauptstraße) aufgelassen und die „Chaussee“ (alte Heer und Handelsstraße, heute Würzburger Straße, Staatsstraße 2312) ab 1783 gebaut wurde, versetzte man das Standbild an die neue Chaussee. Wegen der Trassenführung musste es noch einmal „neben die neue Chaussee“ versetzt werden.  (Zur Trassenführung siehe auch unter „Nepomuk-Standbild“)
Am 18.9.1783 versteigerte das zuständige Vogteiamt Schweinheim die Arbeiten zur Versetzung des Standbildes „neben das Feldt an der neuen Chaussee“. In der Ortschronik Seite 187 steht dazu als Zitat aus der Gemeindeniederschrift vom 16.9.1783: „Die bis dahin dort stehenden Linden wurden gefällt, das Holz an den Meistbietenden, den Schultheißen Andreas Hock, versteigert.“

 Da die Statue für sich genommen keine überragende Fernwirkung erzeugte, hat man hierzu vier der damals im Straßenbau üblichen Säulenpappeln verwendet und hat durch diese schnellwachsenden Bäume schon in wenigen Jahren den gewünschten Fluchtpunkt-Effekt erzielt. Die etwas dürftige Schmuckwirkung der vier schlanken Pappeln wurde wohl für die Nah- und Umgebungswirkung der kleinen Anlage für unzureichend betrachtet und drei weitere, langsamer wachsende rundkronige Bäume nachgepflanzt hat – im Westen der Statue zu beiden Seiten des Zugangs zwei kleinere und hinter dem Standbild als räumlichen Abschluss einen größeren Laubbaum. Damit hat sich eine Baumgruppe aus schlankwüchsigen und rundkronigen Bäumen ergeben, die etwas an die damals üblichen Baumrondelle erinnert.
Fazit: Vermutlich wurden als erste Bepflanzung Pappeln gesetzt, die dann mit anderen Gehölzen ergänzt und später der einzig bis heute überlebenden Linde Platz gemacht haben.

Rund 100 Jahre später berichtet die Gemeinderechnung noch einmal von Kosten für die Baumpflanzung. Durch einen Sturm im November 1875 wurden die Pappeln bei der Statue des Johannes von Nepomuk umgerissen und die Symmetrie der Baumgruppe zerstört. Deshalb wurde beschlossen, die restlichen Bäume auszugraben und das Holz zu versteigern. Auf die Neugestaltung des Platzes weist das Protokollbuch der Gemeinde aus der Gemeinderatssitzung vom 23. Januar 1876 hin: „Entfernung der Baumgruppe beim heiligen Nepomuk und Baumpflanzung an der Staatsstraße.“
Es blieb danach nach vielen Jahrzehnten nur noch ein einziger Baum übrig, die Linde, die jetzt wirklich genug Licht, Luft und Wasser hatte.

Dass zu diesem Zeitpunkt die Linde schon fast 100 Jahre alt war, macht ein Text des Heimatdichters August Albert deutlich. Er schreibt in seinem Text „Heimatklänge“ über den Besuch eines Auswanderers, der im Jahr 1935 seinen Heimatort wieder besucht und sich an seine Jugendzeit (etwa Mitte der 1870er Jahre) in Haibach erinnert. Darin ist auch ein Vorfall an der Linde beschrieben:
„Eine riesige Linde, die hinter der Statue steht, breitet ihr mächtiges Blätterdach über dieselbe und so stellt das Ganze ein wirklich schönes Bild dar. Kommt man aus der Richtung Aschaffenburg so sieht man das Bild schon auf der ganzen Strecke, es bildet so den scheinbaren Abschluss der Straße, da diese unmittelbar davor in einer Kurve nach rechts sich wendet.
Unser Wanderer begrüßt den Heiligen wie einen alten Bekannten, den man lange nicht gesehen hatte. Besonders war er hoch erfreut, dass sich die Linde so schön entwickelt hatte, denn kurze Zeit bevor er hier fortging, hatte ein furchtbarer Sturmwind zwei mächtige Pappeln, die zu beiden Seiten des Platzes vor der Statue standen, umgerissen. Eine derselben fiel auf die Linde und schlug ihr den größten Teil der Äste ab. Die Linde fing gleichsam die stürzende Pappel mit ihren Armen auf und rettete somit die Statue, die sicherlich zertrümmert worden wäre. Es wurden ihr dann auch noch die stehen gebliebenen Äste abgenommen. Man bangte damals, ob die Linde, dieses überstehen würde. Sie hat aber sehr schön ausgeschlagen und entzückt alle, die ein Auge dafür haben.“ 

Wenn also die Linde nach August Albert schon um 1885 „mächtige“ Pappeln „mit ihren Armen“ aufgefangen hat, muss sie schon älter (also von 1783 aus 93 Jahre alt) gewesen sein.
Die Linde ist als Naturdenkmal seit den 1930er Jahren geschützt. Naturdenkmale sind nach Artikel 9 des Bayerischen Naturschutzgesetzes Einzelschöpfungen der Natur, deren Erhaltung wegen ihrer hervorragenden Schönheit, Seltenheit oder Eigenart oder ihrer ökologischen, wissenschaftlichen, geschichtlichen, volks- oder heimatkundlichen Bedeutung im öffentlichen Interesse liegt.

Im Februar 2020 wurde im Gemeinderat beraten, ob die Linde noch standfest genug ist. Die heißen Sommer der letzten beiden Jahre und ein Pilzbefall haben der Linde zugesetzt. Im November 2021 wurde nach neueren Untersuchungen der Baum auf einen Torso vom 5 Meter Höhe gekürzt.  Im November 2021 wurde nach neueren Untersuchungen der Baum auf einen Torso vom 5 Meter Höhe gekürzt. 

 

 

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