Ziegelhütte / Backsteinbrennerei (Russenfabrik)

Ehemalige Sehenswürdigkeiten

Die Backsteinbrennerei stand am östlichen Ortsausgang in Richtung Winzenhohl nach dem letzten Haus links. Die Ziegelei brachte keinen wirtschaftlichen Erfolg.

Immer wieder wechselten die Pächter. Bis 1905 betrieben Christian Kunkel mit Maurermeister Kaspar Mantel gemeinsam die Firma „Sägewerk und Backsteinbrennerei“.

Eine Ziegelei ist eine Fabrik zur Herstellung von Mauerziegeln. Gebrannt wird Tonmineral oder Lehm. Der Standort dieser Unternehmen liegt meist am Ort des Rohstoffvorkommens an Ton. Früher waren es meist Kleinbetriebe, die unter freiem Himmel den Lehm in Holzformen pressten und die noch feuchten Ziegel in der Sonne vortrockneten. Anschließend wurden sie in einem Ofen gebrannt. Je nach Trocknungsart war als Rohstoffquelle noch das naheliegende Brennmaterial notwendig.

Ein letztes Zeichen alter Handwerkstradition hat Alfred Löffler vom Heimat- und Geschichtsverein im Jahr 2002 entdeckt. Beim Neubau einer Wohnanlage in der Winzenhohler Straße wurden Reste der „Russenfabrik“ ausgegraben, einer Ziegelhütte, die bis 1905 dort betrieben wurde. Der Hartnäckigkeit Löfflers und der Kooperationsbereitschaft der Baufirma ist es zu verdanken, dass der Heimat- und Geschichtsverein Ausgrabungen tätigen konnte, um den ehemaligen Brunnen der Ziegelei frei zu legen. Kaum jemand hatte hier oben auf der Höhe einen Brunnen vermutet, doch Löffler konnte sich auf alte Erzählungen und Hinweise stützen und sollte Recht behalten: Zuerst entdeckte der Baggerführer eine Steinplatte über einem 50 Zentimeter hohen geraden Mauerwerk, dem Brunnenkopf. Löffler, Albin Blatt und Günter Stahl vom Geschichtsverein gingen daraufhin mit Schaufel und Pickel ans Werk und legten den kreisrunden Brunnenschacht mit einem Durchmesser von rund einem Meter frei. Gemauert im Kopf- und Läuferverband waren die Mauern gut 25 Zentimeter stark. Die Steine sind im alten deutschen Format von 25×12,5×7 Zentimeter gefertigt und wohl in der eigenen Ziegelei hergestellt worden. Bis zur obersten Steinschicht war der Schacht beim Verlassen mit Ziegelschrotten ausgefüllt worden. In gut vier Meter Tiefe stießen die Hobby-Archäologen dann auf Wasser, das fast einen Meter hoch stand. In unmittelbarer Umgebung wurden Gruben im Erdboden gefunden, die ebenfalls mit Ziegelsteinbrocken verfüllt waren. Schwarze Einschlüsse in dem sonst sauberen Lehmboden deuten auf Schlacke und Asche aus den Brennvorgängen der Ziegelei hin. Bekannt ist, dass diese „Russenfabrik“ bis 1905 von Kaspar Mantel und Christian Kunkel betrieben wurde. Sie reiht sich ein in eine alte, sehr wechselhafte Handwerkstradition, die bis ins Jahr 1733 zurück reicht. 1751 ist der Ziegler Johannes Vorbeck in den Gemeinderechnungen erwähnt. Die Pacht für die Ziegelhütte wurde 1765 auf 10 Gulden festgelegt. Mit Schulden behaftet war 1771 der Ziegler Franz Arnold, bis 1779 die Hütte an Michael Arnold versteigert wurde. Doch schon 1781 kauft sich Johann Adam Koch aus Aschaffenburg ein und wird als „freier Nachbar“ angenommen. 1807 wird die Hütte schon wieder verkauft, dieses Mal an Andreas Atzenberger aus Winterhausen. Da dieser bereits in Damm und im Löwenstein-Wertheimischen gearbeitet hatte, ist anzunehmen, dass er sogar Porzellanbäcker war. Er legte vor dem Vizedomamt in Aschaffenburg eine Prüfung im Ziegel- und Backsteinbrennen ab und baute in Haibach einen neuen Ofen auf. Bis 1810 taucht sein Name in den Büchern auf, 1814 wird Heinrich Fuchs als Ziegler genannt, als er Backsteine für den Rathausbau liefert.

(Siehe auch Ziegelhütte Grünmorsbach) Der Brunnen ist inzwischen von der Wohnanlage überbaut und nicht mehr zugänglich.

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