Die Andachtsstätte liegt auf Schmerlenbacher Gemarkung. Weil vor dem Bau der Marienkapelle die Haibacher hier jährlich Maiandachten hielten, kümmert sich der Heimat- und Geschichtsverein um das Andachtsbild. Im Jahr 2026 hat er es renoviert und neu aufgehängt, nachdem der alte Baum abgestorben war.
Die „Lustigen Wanderfreunde“ aus Winzenhohl stifteten eine Bank, die zum Verweilen einlädt.
Am Stamm einer Buche – gegenbüber dem letzten Standort – ist das das Marterl angebracht, eine Kniebank steht wie schon immer davor. Unter dem Marienbild hängt das alte Schild „Maria hilf uns allen“.
In den 1920er Jahren hat August Albert ein Gedicht zur Bildbuche verfasst:
Im nahen Klosterwalde ist ein Marienbild.
Im Stamme einer Buche, so lieblich und so mild.
Mit Blumen ist‘s geschmücket, ein Betstuhl steht bereit
und eine Inschrift mahnet zur stillen Frömmigkeit:
Gegrüßet seist Du Maria! O Maria hilf!
Und wem der Kummer drücket, wenn Sorge ihm nicht weicht,
der gehe hin zum Walde, dort wird das Herz ihm leicht.
Dort find er neues Hoffen und Trost auch im Gebet,
wenn er zur Himmelsmutter in stiller Andacht fleht:
Gegrüßet seist Du Maria! O Maria, hilf!
Oft ziehen frohe Scharen zum Waldesbilde hin
und singen Lobeslieder der Himmelskönigin.
Ein Glöcklein klingt vom Tale, wo einst ein Kloster war.
Die Vöglein in den Zweigen, sie jubeln mit der Schar:
Gegrüßet seist Du Maria! O Maria, hilf!
Eine Sage erklärt, warum es die Bildbuche gibt:
Die Bildbuche
Nach dem Tode einer gestrengen Äbtissin des Klosters Schmerlenbach erzählte man sich die Geschichte von einem jungen Jägersmann, der den Wald zu betreuen hatte und aufgrund seines nachsichtigen Verhaltens gegenüber WaldfrevIern bei der Klostervorsteherin in Ungnade gefallen war.
Eines Tages wurde der Forstmann von einem fürchterlichen Unwetter überrascht und nahm Schutz unter einer mächtigen Eiche. Es fing schon an zu dunkeln, als er plötzlich durch ein Rassein aufgeschreckt wurde: Kaum zwei Meter vor ihm bewegte sich eine Schlange auf ihn zu, die auf einen Schlüsselbund biss. Kurz entschlossen legte er seine Flinte an, um sie unschädlich zu machen, doch eine ihm bekannte Stimme rief: »Halt ein!« Vor ihm stand die ehemalige Äbtissin. Vor lauter Schreck über diese Erscheinung ließ der Jäger die Waffe fallen und wollte davonlaufen. Das flehentliche Bitten der Erscheinung aber hielt ihn zurück. Sie sprach zu ihm: »Ich habe im Leben schwer gesündigt und muss zur Strafe auf der Erde wandeln, um an Ort und Stelle den Schaden wieder gut zu machen. Gehe hin zur Schlange, sie ist zahm wie ein Lamm, nehme die Schlüssel und gehe hinunter ins Kloster, sie passen zu den Räumen, in denen noch Menschen eingesperrt sind, und befreie sie. Auf diesem Platze aber hier lasse die Gottesmutter wohnen, damit kein Unrecht mehr in diesem Walde geschehe und ich durch die Fürbitten der Menschen bald erlöst werde.
Der junge Jägersmann erfüllte der Erscheinung ihren Wunsch, nahm die Schlüssel und ging dahin, und sogleich waren auch die Äbtissin und die Schlange verschwunden. Im Kloster angekommen, hatte er bereits die dem Tode geweihten Menschen gerettet. – An dem Eichenbaum, unter dem er Schutz gesucht hatte, ließ er ein Häuschen errichten und stellte darein eine Muttergottes-Statue.
Viel später, der Jäger war längst gestorben, zeigte sich in einer benachbarten Buche eine Öffnung, in die die Statue genau passte. Die Nachfolger im Jägeramt erkannten darin eine Fügung Gottes und gaben der Himmelskönigin in der Höhlung der Buche einen neuen Platz. Bis in unsere Tage blieb der Baum ein Zufluchtsort für fromme Christen, und erst in jüngster Zeit haben fleißige Hände eine neue Schutzhülle geschaffen.
Dazu:
Die Äbtissin im Schmerlenbacher Walde
Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 39f
Im Kloster Schmerlenbach war einmal eine Äbtissin, eine geizige und hartherzige Frau. Statt die Hungrigen zu speisen, ließ sie die Bettler mit Hunden von der Pforte jagen, und sie verweigerte auch den Armen, dass sie im Klosterwalde dürres Holz lasen. Der Förster sollte die Leute einfangen und nach Schmerlenbach bringen, wo sie in den tiefsten Keller gesperrt wurden und wegen der paar dürren Reiser hungern und frieren mussten.
Mehrere Jahre ging dies so zu, bis schließlich der Mainzer Kurfürst vom schmählichen Treiben der Äbtissin erfuhr und eines Tages unvermutet im Kloster Schmerlenbach eintraf. Er besah alle Räume und verlangte auch in den Keller geführt zu werden. Da zögerte die Äbtissin und wusste hiergegen allerlei einzuwenden. Doch es half ihr nichts, und sie musste auf fürstlichen Befehl den Keller öffnen. Dort drinnen hockten nun die armen Menschen auf dem feuchten Boden, frierend und halb verhungert.
Der erzürnte Kurfürst gab den Gefangenen augenblicklich die Freiheit und ließ sie auf Kosten der Äbtissin reichlich mit Essen und Trinken bewirten.
Als der fürstliche Herr fort war, geriet die geizige Alte in solche Wut, dass sie wetterte und schimpfte und in ihrem maßlosen Zorne tot umfiel.
Die Armen weinten ihr keine Träne nach. Jetzt durften sie wieder im Walde Holz lesen, so viel sie wollten. Aber sie erschraken nicht wenig, als sie beim Reisersammeln plötzlich die Äbtissin zwischen den Bäumen geistern sahen. Und sonderbar: wo sie sich zeigte, fanden die armen Leute immer eine Menge dürre Holzstecken. Es schien, als ob die Äbtissin nach ihrem Tode gutmachen wolle, was sie im Leben gegen die Armen gefehlt hatte.
Dazu:
Eine „Gräfin Reigersberg“ geistert unsympathisch durch die Nachwelt. Sie war die Schwester des Aschaffenburger Stadtschultheißen Nikolaus Georg und bis zu seinem Tode Äbtissin im Kloster Schmerlenbach und zwar eine hartherzige. Immerhin hatte sie es verstanden das Kloster über die Nachkriegsjahre des Religionskrieges hinüberzubringen, indem sie erbarmungslos den Klosterzins einforderte. Vermutlich eine reine Lebensfrage für den Orden, aber die armen Leute, die sie vom Reisiglesen weg einsperren ließ, vergaßen ihr das nie. So kommt es, dass die Äbtissin Eva Franziska Reigersberg, in Sturmnächten noch immer im Schmerlenbacher Wald den Holzsammlern erscheinen soll.
Dazu:
Mit „Gräfin Reigersberg in Schmerlenbach“, sehr wahrscheinlich Äbtissin Eva Franziska von Reigersberg gemeint. In älteren Handschriften werden Äbtissinnen oder adlige Damen gelegentlich verkürzt als „Gräfin Reigersberg“ oder ähnlich bezeichnet, auch wenn der Grafentitel der Familie erst später entstand.
Im ehemaligen Benediktinerinnenkloster Schmerlenbach war Eva Franziska von Reigersberg von 1638 bis 1652 Äbtissin. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges bemühte sie sich um die Erneuerung der Klosterdisziplin. Zeitgenössischen Berichten zufolge galt sie als sehr streng und wurde schließlich ihres Amtes enthoben.
Verbindung zur Familie Reigersberg:
Das Adelsgeschlecht von Reigersberg in Aschaffenburg
Es gab eine fränkische, holländische und österreichische Linie derer von Reigersberg. Die Reigersberg haben sowohl in Aschaffenburg als auch in Bayern einen guten und berühmten Namen.
War doch Dr. Nikolaus Georg Ritter von Reigersberg wohl der berühmteste Bürgermeister von Aschaffenburg, der als Gesandter des Reichskanzlers und Kurfürsten von Mainz bei den Friedensverhandlungen nach dem dreißigjährigen Krieg mitwirkte und dessen Unterschrift unter dem westfälischen Friedensvertrag von 1648 an erster Stelle steht. Er war von 1624 bis 1651 Bürgermeister in Aschaffenburg und wurde nach seinem Ableben in der Muttergottes Pfarrkirche beigesetzt.
Ein anderer berühmter Graf von Reigersberg, Graf Heinrich Alois von Reigersberg, war der Justizminister Maximilians I, der seit 1799 Churfürst von Bayern und von 1806 an bayrischer König war. An ihn erinnert noch heute das Hypothekengesetz, die Grundlage des gesamten Strafrechts und eine Reform des Strafgesetzbuches.



