St. Johannes Nepomuk ist der Ortspatron Haibachs.

Auf dem Sockel steht:

eX Voto faCto ponItVr DIVo
IoANNI NepoMVCeno
aVs gethaneM geLVbt Ist gegen
Wärtges BILDnVs aVfgerI
Chtet
(1734 – später ergänzt)

übersetzt:

Nach einem Gelübde unter freiem Himmel aufgestellt
Johannes Nepomucenes
aus getanem Gelübde ist gegen
wärtiges Bildnis aufgeri
chtet
(1734, nach der Renovierung der Schrift im Jahr 2020 nicht mehr sichtbar)

Nimmt man die groß geschriebenen Buchstaben der lateinischen und der deutschen Inschrift als römische Zahlen und addiert sie, ergibt sich jeweils die Zahl 1734. (I=1, V=5, X=10, C=100, L=500, M=1000)

Die Haibacher nennen den Heiligen liebevoll „Bumbezenes“ (besser: „Pumecenes“).

 Nach dem Text in der Haibacher Chronik „Haibach im Wandel der Zeit“ auf Seite 186 ff war der erste Standort der überlebensgroßen Sandsteinfigur 1736 „extra vicum“ (außerhalb des Ortes) neben der alten Poststraße, wahrscheinlich an der Stelle des heutigen Rathauses.
Albin Blatt vom Heimat- und Geschichtsverein widerspricht im Buch „Haibacher Straßen“ auf Seite 662 dieser Aussage. Der Eintrag auf der Grünfläche am Platz des heutigen Rathauses im Urkataster von 1843 sei kein Denkmal, sondern das Ortsschild.
Blatt vermutet, dass das Standbild schon gleich weiter außerhalb des Dorfes, in der Nähe des heutigen Standortes aufgestellt wurde. (Als „Brückenheiliger“ in die Nähe einer Brücke an den Bornäckern?)
Es gilt also noch nachzuweisen, wo genau das Standbild erstmals aufgestellt wurde.

Belegt ist:
Nachdem die Alte Poststraße (heutige Büchelberg- und Hauptstraße) aufgelassen und die „Chaussee“ (alte Heer und Handelsstraße, heute Würzburger Straße, Staatsstraße 2312) ab 1783 gebaut wurde, versetzte man das Standbild wegen der Trassenführung neben die „neue Chaussee“.
Hans Sommer hat sich mit dem „Chausseebau in Maintal und Spessart“ befasst und einen Beitrag dazu im Aschaffenburger Jahrbuch Nr. 24 geschrieben. Dass die Nepomukstatue gerade dort und nirgendwo sonst steht, findet seine Erklärung in der Prinzipien, nach denen in den 1780er Jahren die damals neuartigen Chausseen trassiert wurden. Man hat nämlich einen möglichst geradlinigen Streckenverlauf als die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten angestrebt und als Fluchtpunkte gerne markante Ziele, wie das Aschaffenburger Schloss, den Turm der Stockstädter Leonhardskirche oder die Elterhöfe genommen. Haibach hat die Besonderheit, dass ein solcher Flucht- und Achspunkt fehlte und mit der an die Straßenkurve versetzten Nepomukstatue erst neu geschaffen werden musste. 
Der gewählte Standort ist für einen Brückenheiligen nicht idealtypisch und so mag man darüber spekulieren, wo er vorher (womöglich auch im Weg) gestanden haben mag. Da die Statue im Verhältnis etwa zum Seligenstadt-Engel für sich genommen keine überragende Fernwirkung erzeugt, hat man hierzu vier der damals im Straßenbau üblichen Säulenpappeln verwendet, wie sie auch an der Ludwigsallee oder der Schönbuschallee standen und hat durch diese schnellwachsenden Bäume schon in wenigen Jahren den gewünschten Fluchtpunkt-Effekt erzielt.

Am 18.9.1783 versteigerte das zuständige Vogteiamt Schweinheim die Arbeiten zur Versetzung des Standbildes „neben das Feldt an der neuen Chaussee“. Maurermeister Adam Vill bekam den Auftrag zur Versetzung, der Haibacher Steinhauermeister Michaell Mandell renovierte den Sockel.
In der Ortschronik Seite 187 steht dazu als Zitat aus der Gemeindeniederschrift vom 16.9.1783: „Die bis dahin dort stehenden Linden wurden gefällt, das Holz an den Meistbietenden, den Schultheißen Andreas Hock, versteigert.“
Dass zu diesem Zeitpunkt die aktuelle Linde neu gepflanzt wurde, ist im betreffenden Text auf diesen Seiten weiter unten beschrieben.

Das Standbild soll 1734 vom Zentgraf (centenarius) vorm Spessart, Georg Konrad Merkel, im Zusammenhang mit dem Bau der ersten Kirche in Zusammenhang stehen, was sich aber noch nicht belegen lässt. Auf das Jahr 1740 geht die alljährliche Prozession zum Standbild zurück: Zentgraf Merkel hat damals 250 Gulden für die erste Haibacher Kapelle (1732/1733) gestiftet mit der überlieferten Auflage, zur Feier des Heiligen am 16. Mai jeden Jahres in einer Prozession zu dem Standbild zu gehen.

Nepomuk war nach seiner Heiligsprechung 1729 ein „Mode-Heiliger“. Johannes Nepomuk wurde als Johannes Welflin um 1350 im westböhmischen Pomuk (heute Nepomuk) bei Pilsen geboren. Er war Priester und gilt als Märtyrer. Nach der Legende, die zur späteren Heiligsprechung des Johannes Nepomuk führte, entsprang sein Streit mit König Wenzel und seiner Weigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen. Demnach hat der Priester dem König nicht preisgeben wollen, was dessen, der Untreue verdächtigte Frau, ihm anvertraut hatte. Deshalb habe Wenzel ihn foltern und anschließend am 20. März 1393 von der Prager Karlsbrücke ins Wasser stürzen lassen. Nepomuk gilt deshalb als Brückenheiliger und Patron des Beichtgeheimnisses.

In den Jahren 1960 bis 1970 wurde der Nepomucenes von mehreren Farbschichten befreit und die Kriegsschäden beseitigt. Dank einer großen Bürgerinitiative konnte die Statue 1984 in einer Seligenstädter Meisterwerkstatt restauriert werden.

Im Jahr 2020 wurde die Schrift auf dem Sockel renoviert, die einst nachträglich aufgemalte Jahreszahl 1743 nicht mehr herausgehoben.

 

Das Standbild steht unter Denkmalschutz, die Linde ist als Naturdenkmal geschützt. (D-6-71-124-4 Standbild St. Johannes von Nepomuk auf hochrechteckigem Sockel mit konkav geschwungenen Seiten, Inschrift auf Vorderseite.)

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