Seit dem 16. Jahrhundert unterhielt das Haus Thurn und Taxis internationale Verkehrsverbindungen zwischen Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland. Im Jahr 1597 wurde der Kaiser „oberster Postherr“. Als erste Station zwischen Frankfurt und Würzburg wird 1615 neben Dettingen auch Bessenbach genannt. Die Alte Poststraße tangierte das alte Haibach im Süden außerhalb des Ortes (siehe Beitrag „Alte Poststraße“)

Als Aschaffenburg und sein Umland 1814 an die bayerische Krone fiel, wurde in Würzburg ein neues Oberpostamt errichtet. Die bisherigen Postanstalten im Fürstentum Aschaffenburg wurden Bayerische Staatspost.

1899 bis 1904 – Erste Poststelle: Hauptstraße 64
Haibach bekam seine erste Poststelle am 16. Dezember 1899 beim Landwirt und Bürgermeister Adam Großmann. Er musste die Post täglich an der Straße Aschaffenburg – Hessenthal an der „fahrenden Post“ abholen und abgeben. Der erste Poststempel kam am 1. August 1912 zum Einsatz mit dem Vermerk „Haibach Uf“ (für Unterfranken)

 1904 bis 1946 – Zweite Poststelle: Gasthaus zur Post, Würzburger Straße 106 (siehe unten)
Ab 1. April 1904 wurde dem Wirt Johann Adam Rückert im Gasthaus „Zur Post“ die Posthilfsstelle übertragen. Ab 1. Juli 1906 übernahm diese Stelle der Gastwirt und Metzger Paul Rasch. Er hatte die Poststelle bis 1944 inne. Ab August 1912 wurde die Posthilfsstelle zur Postagentur und besorgte nun auch den Postdienst für den Dörnhof, Grünmorsbach und Winzenhohl. Zwischen 1916 und 1923 wurde Haibach wieder dem Postamt Aschaffenburg angegliedert. Der Übergang von der bayerischen Post in die Reichspost 1921 hatte für Haibach keine Auswirkung.
Die Zugehörigkeit des Zweigpostamtes zu Aschaffenburg zeigte sich an dem Poststempel „Haibach über Aschaffenburg“
Nikolaus Rausch übernahm vom 1. August 1944 bis 5. April 1946.

1946 bis 1960 – Dritte Poststelle: Postamt in der Schollstraße 22
Am 1. Mai 1946 übernahm Robert Breid in seinem Wohnhaus die Dienststelle

1960 bis 1993 – Vierte Poststelle in der Bergstraße 12 / Schollstraße
Am 1. Februar 1960 wurde Haibach eigenständiges Postamt und zog in das Gebäude in der Bergstraße 12, Ecke Schollstraße 1.
Nach Robert Breid übernahm Walter Schulz vom 1. Mai 1963 bis 31. Oktober 1964, danach Dorothea Andrelewski bis 1969, Walter Spahn bis 1977, Peter Hahn bis 1983, Otto Gerlach vom 1.11.1983 bis 25.1.1984, Josef Fäth bis 1988, Richard Beck bis 1992.

1993 bis 2003 – Fünfte Poststelle: im „Hotel Post“, Würzburger Straße 78
Heinz Rickert hat 1992 die Dienstelle übernommen und zog mit ihr am 28. April 1993 aus dem Ortszentrum in das neu erbaute Hotel Post an der Würzburger Straße um. 1997 übernahm Siegbert Maier, in dessen Amtszeit die Umgestaltung der Deutschen Bundepost in die Deutsche Post AG fiel. Er wurde zum 1. Februar 2003 in Ruhestand versetzt und damit war auch die Ära der Dienststellenleiter in Haibach beendet.

Seit 2003 – Sechste Poststelle: „Post-Filiale“ Industriestraße-Ost 18
Ab 1. Februar 2003 übernahm das Fachgeschäft für Tiernahrung Rückert die Postfiliale. Eine Postfiliale ist eine Annahme- und Beratungsstelle für Post- und Finanzdienstleistungen (Brief, Paket, Express, Postident usw.).

 

Zur Poststelle im Gasthaus “Zur Post”
Der Schuster Adam Roth hat zur letzten Fahrt der Postkutsche von Aschaffenburg nach Rohrbrunn am 30. März 1910 ein Gedicht geschrieben. Die „Maid“ ist Gertrud Rückert, die „Post-Trude“, Tochter des Posthalters und Gastwirtes „Zur Post“ Johann Adam Rückert. Einige Zeit nach dem Abschied von „ihrem“ Postillion ging Gertrud ins Kloster.  

Der letzte Postillion
Text: Adam Roth, vertont für die „Buchfinken“ von Friedel Aulbach 

Es ziehet seine Straßen
der Postillion schon lang,
fängt immer an zu blasen
dort an dem Bergeshang.
Und an der großen Linde
erwartet ihn die Maid,
reicht ihm das Postgebinde,
oh Glück, oh Seligkeit.

Er ziehet seine Straßen
für heut zum letzten Mal,
will ihr zum Abschied blasen
»Gott segne deine Wahl!«
Und von der weiten Ferne,
späh‘n seine Augen·schon.
Wie möchte‘ er blasen gerne,
und findet nicht den Ton.

Die Pferde kurz verschnaufen
an der gewohnten Stell.
Nochmal das Postgut tauschen
die Maid und der Gesell.
Ein Sträußlein bunter Blumen
steckt sie ihm an den Hut.
Sie reichen sich die Hände,
ihr Blick in seinem ruht.

Es ziehet seine Straßen
der Postillion nicht mehr.
Ich seh‘ das Auto rasen
gar trotzig, plump und schwer.
Verklungen sind die Lieder,
die’s ganze Dorf erfreut
und nicht mehr wiederkehren
der Postillion, die Maid.

 

 

 

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